Russlands kulinarischer Ferner Osten

So vielfältig die Küche im riesigen Russland auch ist, sie hat eine Gemeinsamkeit. Seit jeher sind es die verschiedenen ethnischen Gruppen und Nachbarvölker, die in den Kochtöpfe ihre Spuren hinterlassen haben. Ein kulinarischer Blick in die Gastronomie des Fernen Osten.

Die Geschmäcker sind verschieden. Während die einen in der Fremde nicht ohne Gewohntes aus der Heimat bleiben können und alles was das Reiseland bietet aus Furcht vor Überraschungen aus Überzeugung ablehnen, stürzen sich andere geradezu in jedes kulinarische Abenteuer. Die Touristik-Branche hat sich darauf eingestellt und versucht beide Klientel gleichermaßen zufrieden zu stellen. Gerade der Ferne Osten Russlands hat großes Potential, einen ausgeprägten gastronomischen Tourismus zu entwickeln.

Frischer Fisch und Meeresfrüchte, Wildfleisch und besondere Delikatessen aus der Taiga. Selbst der anspruchsvollste Feinschmecker sollte hier auf seine Kosten kommen, wagt die Nachrichtenagentur Tass einen Blick über den Tellerrand. Für Touristen aus Europa ist die Gastronomie exotisch, für die Asiaten vertraut und selbst Russen finden hier die besondere Abwechslung. Zwar hat der Ferne Osten gerade erst begonnen, eine Tourismus-Gastronomie zu entfalten, Insider jedoch sind der Überzeugung, dass gerade die kulinarische Vielfalt für viele Touristen interessant sein könnte. Ein besonderes Auge hat man dabei auf die Nachbarn aus dem pazifisch-asiatischen Raum – China, Südkorea und Japan – geworfen.

Reisende aus diesen Ländern seien zwar gern skeptisch gegenüber fremden Gerichten, kennen aber dafür aus ihrer Heimat Zutaten, die wiederum Europäer stutzig machen. Im Lauf der Zeit hat die Küche des Fernen Ostens zu ihren lokalen Traditionen auch viele der ethnischen Gruppen Sibiriens, sowie aus Weißrussland und der Ukraine übernommen. Und asiatische Gerichte sind ohnehin generell populär in der Region. „Schon seit Jahrzehnten ist die asiatische Küche hier im Fernen Osten bekannt und beliebt“, sagt Natalja Owtscharenko, die stellvertretende Leiterin der Tourismus-Abteilung an der Fernöstlichen Föderalen Universität. Ihr zufolge sei sie längst vom Exotischen zu etwas Alltäglichem geworden: „Wir haben Hunderte von asiatischen Restaurants und Cafés im Fernen Osten.“

Asiaten bevorzugen es asiatisch

Hauptsächlich, so sagt sie, werde die Region von Touristen aus den asiatisch-pazifischen Ländern besucht, die ihr gewohntes Essen bevorzugen. „Sogar im Urlaub“, sagt ein Sprecher der Regionalverwaltung und versucht so die Popularität der asiatischen Küche zu erklären. „Wegen der geringen Kosten und ihrer Vielfalt werde sie aber auch von den Einheimischen geschätzt“, meint er. Auf der Insel Sachalin koste ein Mittagessen etwa 300 Rubel, das sind gerade einmal 4,50 Euro, und ein Dinner 1.200 bis 1.500 Rubel, also plus-minus 20 Euro. „Koreanische Gerichte findet man auf allen Sestlichkeiten auf Sachalin und den Kurilen-Inseln“, teilt die regionale Tourismusbehörde mit. Es gibt außerdem viele japanische Restaurants mit gebürtigen Japanern als Köche.

In der Region Primorje dagegen finden sich neben Japanern und Koreanern außerdem noch etliche Restaurants, die chinesische und panasiatische sowie indische und vietnamesische Gerichte anbieten. „Der Gastro-Tourismus in der Region Primorje hat ein neues Niveau erreicht und wird dadurch immer populärer“, erklärt die dortige Verwaltung nicht ohne stolz. „Viele Touristen, die in die Region kommen, loben die Vielfalt der Köstlichkeiten und ihre erschwinglichen Preise.“ Durchschnittlich verlangen chinesische und japanische Restaurants 300 bis 500 Rubel, zwischen 4,50 und 7,50 Euro. Dafür sind japanische Gerichte mit Meerestieren wiederum sehr teuer.

Einzigartig allerdings macht den Fernen Osten erst die authentische Küche der dort lebenden Völker. Beispielsweise die der Udegen, einem indigenen Volk im Südosten Sibiriens. Dort serviert man mit Taigakräutern und Knoblauchblüten gewürzte Gerichte, eine besondere Lachssuppe und anderen Flussfisch sowie Wild. Besondere Beachtung verdiene auch die Küche der Jakuten, lobt Owtscharenko deren Speisen aus dem Fleisch von Elch, Hirsch, Pferd, Braunbären und Lachs gebraten und gekocht wird.

Exotisches aus der Taiga

Derlei Delikatessen finden Touristen meist auf regionalen Festen der verschiedenen ethnischen Gruppen. „Fremde sind begeistert von der jakutischen Küche, Köche aus Japan und Island kommen hierher, um Meisterkurse zu absolvieren“, sagt Jegor Makarow, der Besitzer des jakutischen Restaurants Muus Haia. Auch er glaubt, dass der Gastronomie-Tourismus gute Perspektiven habe. In der benachbarten Region Chabarowsk, in der gleich acht verschiedene ethnische Völker beheimatet sind, geht man sogar noch einen Schritt weiter.

Hier überrascht man die Gäste nicht nur mit seiner exotischen Speisekarte, sondern bietet zusätzlich Angeltouren und Ausflüge in ein Dorf der Nanai an. Ein Volk, auch unter dem Namen Hezhen oder Mandschu bekannt, das im südöstlichen Sibirien im Grenzgebiet zu China lebt. Sie lebten seit jeher vom Fischfang und da selbst Kleidung aus Fischhaut gefertigt wurde, nannten sie die Chinesen Jupi Dasi, was soviel wie „Fischhaut-Tataren“ bedeutet. „Eine Nanai-Familie heißt Gäste im Dorf Sikatschi-Aljan, am Ufer des Amur, nach einer zweistündigen Fahrt von Chabarowsk in traditioneller Tracht willkommen“, erläutert die regionale Tourismus-Verwaltung.

Hier werden Touristen mit Fisch in allen Varianten verwöhnt. Er wird geräuchert, getrocknet, gesalzen sowie mit Farnen gedämpft und mit rotem Kaviar serviert. Beenden wollen die kleine Exkursion durch die Küchen des Fernen Osten Russlands auf der Halbinsel Kamtschatka. Auch hier werden die beliebtesten Gerichte traditionell aus Lachs zubereitet. Außerdem verwöhnen lokale Hirschzüchter Besucher mit Hirschsuppe sowie anderen Köstlichkeiten der Ewenen.

[mb/russland.REISEN]