Krim: Schwupps, da waren die Strände weg

Krim: Schwupps, da waren die Strände wegFoto: © Michael Barth

Die zuständigen Tourismusbehörden, die mit der Kartographierung der Strände auf der Krim beschäftigt sind, haben allerhand zu tun in jüngster Zeit. Mehr und mehr Strände verabschieden sich aus dem Kataster. So mancher Verlust ist hausgemacht.

„Die Strände ‚Katscha-2‘ und ‚Priboj‘ wurden von der Liste der ausgewiesenen Orte zur öffentlichen Erholung entfernt. Im Zusammenhang mit einer Reihe von Erdrutschen fallen sie nicht mehr in die Kategorie dieser Strände“, kommentierte der Direktor der Abteilung für die kommunale Wirtschaft Sewastopols, Michail Tarasow.

Der stellvertretende Leiter der Hauptdirektion des russischen Katastrophenschutzministeriums, Alexej Krasnokutski, musste ebenfalls inmitten der diesjährigen Hochsaison gegenüber der Presse die Hiobsbotschaft verkünden, dass ein Erdrutsch auf der Nordseite des Kaps Tolstoj die Küste zerstört hat. Die 800 Meter lange Abtragung hatte sich bis zu hundert Meter landeinwärts gefressen und dabei 33 Datschas zweier Siedlungen zerstört.

Erosion entlang der Küstenlinie

Zwei landwirtschaftliche Gebäude der Strandzone im Gebiet der Gartengenossenschaft „Parus“ wurden wenig später infolge des Einsturzes entlang der Küstenlinie verwüstet. Laut den Ergebnissen einer staatlichen Inspektion, die die ehemals 41 Strände Sewastopols neu vermessen hat, konnten nurmehr 37 kartographiert werden.

In Jalta mussten die Behörden ebenfalls in Sachen Strand tätig werden. Nach Renovierungsarbeiten flossen die ungeklärten Abwässer eines Pflegeheims direkt in den Fluss Utschan-Su und von da aus weiter ins Schwarze Meer. „Anrüchig“ wurde die Angelegenheit erst, als sich Nachbarn über die Geruchsbelästigung beschwerten.

In der Zwischenzeit jedoch hatte sich der Auffangbehälter bereits vollständig mit Abwasser gefüllt, so dass der Zugang mittlerweile unmöglich ist. Momentan werden die Abwässer abgepumpt, um ein Überlaufen des Kanals zu verhindern. Die Umweltschäden am Fluss und dem Meeresstrand der Stadt nehmen inzwischen weiter zu. Vom Baden im betroffenen Abschnitt wird behördlicherseits abgeraten.

Menschliches Unvermögen

In Sowjetzeiten galten die Strände von Evpatoria als die schönsten der Krim. Heute sind sie stellenweise so verwahrlost, dass sich hier niemand mehr niederlassen will. Während die Strände der Südküste, insbesondere zwischen Sudak und Feodosia für den Tourismus aufpoliert wurden, hat man die Küstenabschnitte im Osten der Halbinsel schlichtweg vernachlässigt.

In der Folge sind die Badegäste nun gezwungen über abgelöste Waschbetonplatten zu klettern, um überhaupt ans Meer zu gelangen. „Als ob Sie auf einer Baustelle wären: Unmengen von Scherben, mutwillig zerstörte Armaturen ehemaliger Sanitäranlagen, durch Algen rutschiger Beton. Ich frage mich, wie viele Leute hier während der Saison überhaupt noch liegen“, resümierte jüngst ein russischer Blogger angesichts der Zustände.

Ein weiteres Problem auf der Krim sind laut Internetnutzern unzählige Strände und Küstenabschnitte die mit Zäunen und Absperrgittern verschlossen sind, da sie entweder in fragwürdigem „Privatbesitz“ sind oder die lokalen Behörden Reparaturen während der Hochsaison durchführen.

[mb.russland.REISEN]